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Geschichte von Stickern und Buttons in der Politik

Von Leah Rabe gepostet

Seit jeher verwenden Menschen "Parolen" - das sind prägnante, einprägsame Sätze, die verwendet werden, um Menschenmengen zum Handeln aufzurufen oder Unterstützung für eine Sache zu gewinnen. Von Schlachtrufen bis hin zu Ländermottos haben sich die Menschen schon immer um Parolen geschart, um zu beweisen, wo ihre Loyalitäten liegen. Vom antiken römischen Motto "Senatus Populusque Romanus" ("Der Senat und das Volk von Rom") bis hin zu Napoleon Bonapartes Kriegsruf "Vive L'Emperor" ("Es lebe der Kaiser") haben Menschen - und Regierungen - auf der ganzen Welt ihre Anliegen historisch auf wenige Worte verdichtet. Wenige Worte die Gefolgschaft anspornen und Gegner einschüchtern.

In der US-amerikanischen Gesellschaft und Regierung hat diese menschliche Tendenz, sich um einige wenige gut gewählte Worte und Parolen zu scharen, eine besondere Form angenommen: die der Politparole. Parolen wie "I like Ike" ("Ich mag Ike") oder "Happy Days are Here Again" ("Die guten Tage sind wieder hier") hatten einen unkalkulierbaren Effekt auf die Wahlkämpfe, in denen sie auftauchten, und spielen weiterhin eine große Rolle im öffentlichen Bewusstsein. Instrumentelle Ausrufe wie "No taxation without representation" ("Keine Steuern ohne Vertretung") oder "The buck stops here" ("Die Verantwortung liegt bei mir") haben sich für ganze politische Bewegungen als unschätzbar wertvoll erwiesen. Im modernen Zeitalter verlassen wir uns immer noch auf Redewendungen und Parolen - aber die Art und Weise, wie wir sie darstellen, hat sich im Laufe der Jahre erheblich verändert.

Wahlkampf-Buttons

Im Laufe der Geschichte fanden die Menschen heraus, dass es nicht ausreichte, einen Slogan oder eine Parole nur verbal zu wiederholen (wie im Fall eines Kriegsschreis); sie wollten auch physisch zeigen können, auf welcher Seite des Anliegens sie standen (und möglicherweise neue Anhänger für ihre Sache gewinnen). Politisch gesehen kam diese physische Verkörperung zuerst in Form von Buttons zustande. Dabei handelte es sich um gewöhnliche Messingknöpfe, wie man sie an jeder Jacke oder jeder Uniform finden kann. Diese Messingknöpfe dienten schon zu George Washingtons Präsidentschaft im Jahr 1789 als Gedenkzeichen für politische Bemühungen.

George Washingtons Amtsantritts-Button

George Washingtons Amtsantritts-Button, 1789 (Quelle)

Der erste echte Präsidentschaftswahlkampf (bei dem Gegner öffentlich gegeneinander antraten, um die Stimmen der Wähler für sich zu gewinnen) fand vielleicht 1828 statt, als Andrew Jackson gegen John Quincy Adams kandidierte. Jackson, der zuvor die Wahl von 1824 verloren hatte, wurde durch seine Niederlage dazu getrieben, aktiv und aggressiv um die Aufmerksamkeit der Wähler zu werben. Zu Jacksons Bemühungen gehörten Paraden, Veranstaltungen und jede Menge Memorabilia. Neben Schnupftabakdosen, Flachmännern und verschiedenen anderen Schmuckgegenständen verteilte Jackson viele Wahlkampfmedaillen und Buttons, um die Menschen an seine militärischen Erfolge zu erinnern und um für Stimmen zu werben.

Andrew Jacksons Wahlkampfmedaille

Andrew Jacksons Wahlkampfmedaille, 1828 (Quelle)

Der Wahlkampf wurde schnell ein schmutziger, da beide Kandidaten versuchten, sich gegenseitig durch das Verbreiten von Gerüchten und Verleumdungen in schlechten Ruf zu bringen. Jacksons intensive Vermarktung scheint jedoch effektiv gewesen zu sein, da er Quincy Adams deutlich besiegte. In vielerlei Hinsicht schuf dieser chaotische Wahlkampf einen Präzedenzfall für alle folgenden Wahlen - und führte in vielerlei Hinsicht zu den Wahlkampfstrategien, die wir noch heute kennen.

Wahlkampf-Buttons blieben auch weiterhin einer der Grundpfeiler für politische Wahlkämpfe, obwohl die meisten nur eine Abbildung des Kandidaten und seinen Namen enthielten. Bilder von Lincolns Gesicht auf Buttons begleiteten seine Kandidatur im Jahr 1860.

Abraham Lincolns Wahlkampf-Button, 1860

Abraham Lincolns Wahlkampf-Button, 1860 (Quelle)

Schließlich begannen Präsidentschaftskandidaten, Wahlkampfsparolen auf Buttons zu setzen, anstatt nur ihr Porträt und eine Jahreszahl oder ein Schlagwort. 1924 bewarb sich Coolidge um seine Wiederwahl mit Buttons, auf denen mehrere Parolen standen. Darunter auch "Deeds, not words" ("Taten statt Worte") und "Keep Cool-idge" ("Cool-idge bleiben").

Calvin Coolidges Wahlkampf-Buttons, 1924

Calvin Coolidges Wahlkampf-Buttons, 1924 (Quelle)

Einprägsame Parolen auf Wahlkampf-Buttons zu drucken, wurde schnell zur Selbstverständlichkeit. Die vielleicht berühmtesten davon erschienen 1952: die unvergesslichen "I Like Ike"-Buttons und -Werbeartikel, die das politische Konzept und die Präsidentschaftskandidatur von Dwight Eisenhower begleiteten.

Stoßstangen Sticker

Dwight Eisenhowers Wahlkampf markierte auch den Beginn eines anderen lang anhaltenden Trends bei Politparolen: Stoßstangen Sticker. Stoßstangen Sticker wurden erstmals erfunden, nachdem Ford 1927 das Modell A auf den Markt gebracht hatte und andere Unternehmen sich bemühten ähnliche Autos zu produzieren. Während frühere Modelle viel kleinere Stoßstangen hatten, erschienen die großen Stoßstangen des Model A besonders einladend zur Dekoration - und so wurde der Stoßstangen Sticker geboren.

Ford Model A, 1927

Ford Model A, 1927 (Quelle)

Eisenhowers Wahlkampf-Stoßstangen-Sticker - verziert mit dem berühmten "I Like Ike"-Slogan sowie anderen Wahlkampfparolen - waren die ersten in einer langen Reihe von Stoßstangen Stickern für den Wahlkampf (die bis zum heutigen Tag andauern). Eisenhower setzte die gleiche Strategie erfolgreich in seiner Wiederwahlkampagne 1956 ein, und praktisch jeder Präsidentschaftskandidat hat seitdem Stoßstangen Sticker als Teil seines Wahlkampfs verwendet.

Eisenhower Wiederwahl Stoßstangen Sticker, 1956

Eisenhower Wiederwahl Stoßstangen Sticker, 1956 (Quelle)

Von diesen recht einfachen Anfängen entwickelten sich Stoßstangen Sticker stetig weiter. Heutzutage dienen sie den Menschen nicht nur dazu, ihre Unterstützung für einen politischen Kandidaten zu vermitteln, sondern auch ihre eigenen persönlichen politischen Überzeugungen zu verkünden. Zeitgleich mit dem Vietnamkrieg in den späten 50er, 60er und 70er Jahren deckten Stoßstangen Sticker das gesamte politische Spektrum ab, von pazifistischen Aussagen wie "Make Love Not War" ("Macht Liebe statt Krieg") bis hin zu dem betont patriotischen "America: Love it or Leave It" ("Amerika: Unterstütze es oder hau ab").

Stoßstangen Sticker heutzutage

Seitdem haben sich Stoßstangen Sticker als dauerhaftes und effektives Mittel der politischen Rhetorik sowie des persönlichen Ausdrucks erwiesen, obwohl sie oft stark polarisierend wirken. Tatsächlich wurden Stoßstangen Sticker im Jahr 1991 mit dem Fall Baker v. Glover im US-Bundesstaat Alabama vor Gericht gebracht. In diesem Fall kämpfte Wayne Baker für sein Recht, einen Stoßstangen Sticker auf seinem Wagen zu behalten, obwohl er ein Schimpfwort enthielt, das viele Menschen als beleidigend empfanden. Das Gericht entschied, dass Stoßstangen Sticker ein wesentlicher Bestandteil der Redefreiheit sind. In der Entscheidung erklärte Richter Myron Thompson, dass "für jene Bürger, die weder über Vermögen noch über Macht verfügen, ein Stoßstangen Sticker eines der wenigen verfügbaren Mittel sein kann, um eine Botschaft an ein öffentliches Publikum zu bringen." In den Augen der US-Regierung sind Stoßstangen Sticker ein völlig legitimes Mittel zur Verkündung einer politischen oder sonstigen Überzeugung.

Menschen teilen ihre politischen Überzeugungen frei auf den Stoßstangen ihrer Autos. Jeder moderne Präsidentschaftswahlkampf wird von zahlreichen Stoßstangen Stickern begleitet, die in der Regel so gestaltet sind, dass sie viele verschiedene Zielgruppen ansprechen. Manchmal sind diese Sticker offizielle Marketinginstrumente der Wahlkämpfe, manchmal sind sie aber auch humorvolle Parodien der offiziellen Politparolen.

Anti-Obama-Stoßstangen-Sticker

Anti-Bush-Stoßstangen-Sticker

Anti-Obama- und Anti-Bush-Stoßstangen-Sticker imitieren die Designs der offiziellen Wahlkämpfe. (Quelle und Quelle)

Für einige historische und politische Analytiker stellt dies ein Problem dar. Sie haben den Begriff "Stoßstangen-Sticker-Politik" geprägt. Damit wird die Art und Weise beschreiben in der sich Menschen auf Parolen verlassen, die sie gelesen oder gehört haben, anstatt sich die Zeit zu nehmen und die Themen, um die es geht, selbst zu recherchieren. Andere sind besorgt über die Art und Weise, wie Politiker sich mehr um Werbung und Vermarktung kümmern als um tatsächliche Inhalte.

Es scheint vielen, dass die Stoßstangen-Stickerisierung der US-amerikanischen Politik es den Menschen zu sehr vereinfacht hat, ihre Ansichten zu verallgemeinern und sie auf eine einprägsame Parole oder ein auffälliges Design zu reduzieren. Natürlich ist das kein neues Phänomen. Die öffentliche Meinung wurde schon immer, zumindest zum Teil, durch das Skandieren von Parolen, Slogans, Kriegsgeschrei und Mottos geprägt. Stoßstangen Sticker führten nicht zu einer neuen Art der Weltansicht - sie gaben den Menschen gelegentlich eine weitere Möglichkeit ihrer Weltanschauung Ausdruck zu verleihen.

"I Voted" ("Ich habe gewählt")

Eine weitere interessante Art und Weise, wie Sticker ihren Weg in die US-amerikanische Politik gefunden haben, sind die allgegenwärtigen "I Voted"-Sticker. Sie werden an den Wahlkabinen bei jeder Wahl vom Stadtratsvorsitzenden bis hin zum Präsidenten der Vereinigten Staaten verteilt. Diese Sticker tauchten erstmals in den 80er Jahren auf, um zur Stimmabgabe zu ermutigen und potenzielle Wähler anzusprechen. Aber mit dem Zeitalter der sozialen Medien, seit den frühen 2000er Jahren, rückten diese Sticker immer mehr in den Vordergrund des öffentlichen Bewusstseins. Heutzutage posten die Menschen ihre "Ich habe gewählt"-Sticker-Selfies nur wenige Augenblicke nach dem Verlassen der Wahlkabine sofort online auf Websites wie Facebook, Instagram und Twitter.

"I Voted"-Sticker

"I Voted"-Sticker (Quelle)

Wie bei den meisten Phänomenen sind einige Menschen von diesem Trend begeistert, während andere ihn als Vorboten des gesellschaftlichen Untergangs betrachten. In einem Beitrag aus dem Jahr 2014 mit dem Titel "Warum ich 'I Voted'-Sticker hasse" spricht Kirsten Fleming von der NY Post über die Art und Weise, wie diese Sticker dazu gekommen sind, ein "selbstgefälliges, arrogantes Ethos" zu verkörpern, obwohl es sich beim Wählen ohnehin um eine selbstverständliche Bürgerpflicht handeln sollte. Dem entgegen argumentierte Derek Thomson vom The Atlantic in einem 2012 erschienenen Beitrag mit dem Titel "Warum der 'I Voted'-Sticker wichtig ist.", dass der Sticker "Menschen in Solidarität zusammenbringt und andere daran erinnert, sich der Gruppe anzuschließen". Eines ist sicher - Wahlen sind schwer zu ignorieren oder zu vergessen, wenn jeder, den Sie auf der Straße (oder auf Ihrem Instagram-Feed) sehen, diese kleinen Wappen mit der US-amerikanischen Flagge trägt.

Sticker durch die US-amerikanische Geschichte hindurch

Wer hätte gedacht, dass etwas so kleines und scheinbar harmloses wie ein Button oder Sticker eine solch große Wirkung auf ein ganzes Land haben könnte? Während wir viel Zeit damit verbringen, über Politikthemen zu reden und zu streiten, machen wir uns nur selten Gedanken über die kleinen Dinge, die unsere Gesellschaft prägen. Doch Buttons und Sticker sind für unser politisches System so wichtig und einflussreich geworden, wie es die Kriegsschreie für die antiken Gesellschaften waren. Sie sind zu etwas geworden, um das wir uns vereinen und das wir stolz zur Schau stellen - und etwas, das uns wahrscheinlich viel mehr beeinflusst, als es uns bewusst (oder lieb) ist.

Logos der Präsidentschaftswahlkandidaten 2016

Logos der Präsidentschaftswahlkandidaten 2016 (Quelle)

Es gibt unzählige Möglichkeiten, Ihren Lieblingswahlkampf, Ihren Lieblingskandidaten oder Ihr Anliegen mit Stickern und Buttons zur Schau zu stellen und zu unterstützen. Sehen Sie sich die verschiedenen Möglichkeiten an, wie Sticker Mule auch Ihnen helfen kann, Ihrer Meinung eine Stimme zu geben.

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